Die Tablets kommen – und nun?

Dass Mobiltelefone innerhalb zweier Jahrzehnte das Kommunikationsverhalten immens verändert haben, ist so sehr common sense, dass der Satz schon eine Phrase ist. Origineller ist da schon die Feststellung, dass neue Geräte neue Nutzungsformen hervorbringen.

Wer wollte bestreiten, dass der Push-E-Mail-Dienst  – das Stichwort BlackBerry führt bei weniger IT-affinen Lesern zu wissendem Nicken – die Geschäftswelt und ihr Kommunikationsverhalten nachhaltig verändert, sprich: beschleunigt,  hat. Erst jüngst geriet der Dienst in die Schlagzeilen, weil er gewissen Regierungen im Mittleren Osten zu „abhörunfreundlich“ war.

Und nun kommen also die Tablet-PCs. Sie sind eine neue Geräteklasse und innovativer als die Netbooks, die seit einigen Jahren den PC-Markt nachhaltig verändert haben. Sie verzichten auf „mehr Wumms“, d.h. mehr Gigahertz, immer mehr Prozessorkerne, immer mehr Arbeitsspeicher, immer größere Festplatte. Sie verschließen sich aber auch dem Trend zu gerade mal genug Rechenleistung, um zu surfen und zu mailen, d.h. klein und kostengünstig. Tablet-PCs schreiben sich das Thema  Anwenderfreundlichkeit auf die Fahnen:  Mit ihrem Touchscreen lassen sie sich bedienen wie  Gadgets.

Wie schon beim iPhone, das der mobilen Internet-Nutzung zum breiten Durchbruch verholfen hat, hat auch hier Apple die Nase vorn. Zwar ist das Tablet keine Apple-Idee, und auch Touch-gesteuerte PCs gab es schon länger, etwa von Fujitsu oder von unserem Kunden Panasonic Toughbook.  Doch auch beim Tablet sieht es so aus, als hätte Apple den Markt für die breite Masse geöffnet, den schon früher andere als Nischenmarkt beackert haben.

Doch noch spannender als die Frage, welcher Tablet-PC im kommenden Weihnachtsgeschäft welchen Marktanteil wird erzielen können, ist die Frage, wie sehr Tabletts unsere Gerätenutzung und  Kommunikationsverhalten verändern werden: Bleibt das Laptop jetzt zu Hause, weil’s zu groß und zu schwer ist? Und das Smartphone auch, weil’s ein zu kleines Display hat? Stirbt das Netbook gleich wieder aus, weil´s dem herkömmlichen Notebook dann doch zu ähnlich ist? „Tablet, übernehmen Sie!“? Wird das Groß-Gadget, konzipiert zum Konsumieren von Inhalten und Pflege von Social Networks, doch ein Arbeitsgerät für unterwegs? Oder fühlt es sich zu Hause am wohlsten, in Reichweite des WLAN-Routers, von dem es seine Filme gestreamt bekommt, wenn das  Home Cinema mal wieder belegt ist?

Sollten sich die Tablets breit durchsetzen, dürften wir bald auch die ersten maßgeschneiderten Angebote sehen. Während eBook-Reader auf hohen Kontrast ihrer Display setzen, sind Tablets hervorragend geeignet, um bildlastige Magazine zu betrachten. So werden wir schon bald viel mehr elektronische Magazine für joojoo, WePad, iPad &Co. sehen. Das dürfte deren Attraktivität weiter steigern.

Kaum jemand hatte die breite Akzeptanz des Netbooks erwartet, und nun kommen die Tablet-PCs. Es bleibt spannend, und HBI bleibt dran.

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