Geht für Banken bald die Sonne unter? Crowdfunding und -investing hat sich bereits als ernst zunehmender Mitbewerber auf dem Finanzierungsmarkt durchgesetzt (Bildquelle: Rainer Hörster /pixelio.de)
Nachdem wir letzte Woche an dieser Stelle bereits eine kleine Einführung in die Welt des Crowdfundings geboten und einige Vorteile, insbesondere für die Marktrecherche, vorgestellt haben, wollen wir uns heute nochmals genauer dem finanziellen Aspekt dieses neuen Modells widmen.
Beim Crowdfunding profitieren Förderer und Unternehmer gegenseitig voneinander. Und das in einem weitaus größeren Ausmaß, als es bisher üblich war. Der deutsche Staat übernimmt derzeit rund 90 % aller Kulturausgaben, die restlichen 10 % werden durch private Investoren gewährleistet. Die deutsche Kulturlandschaft ist und war schon immer an die Förderungen durch öffentliche Hand gebunden. Blickt man optimistisch in die Zukunft, könnte sich das in wenigen Jahren geändert haben. In den USA werden 2012 bereits mehr kulturelle Projekte durch die Plattform kickstarter finanziert als durch den Staat.
Was also als Insider-Trend, speziell in Künstlerszenen, begann, hat sich zu einer Finanzierungsart entwickelt, die selbst von großen Banken ernst genommen wird, denn neben dem Crowdfunding existiert noch eine weitere Spielart: das Crowdinvesting. Hierbei können Unternehmensanteile erworben werden, die der Crowdinvester später weiterverkaufen kann oder mit dem er Anspruch auf einen Anteil des Gewinns erhält. Auch bei dieser Methode wird das Kapital auf zahlreiche Investoren verteilt. Das erste deutsche Startup, das sich so erfolgreich finanzieren konnte, war Cosmopol, ein Online-Geschenke-Shop. Als Plattform diente Seedmatch.de, das erst vor wenigen Wochen mit dem Versicherungs-Startup easyCard einen weiteren sensationellen Erfolg verbuchen konnte. Innerhalb von 87 Minuten konnte die anvisierte Finanzierung von 100.000 Euro abgeschlossen werden. In diesem Zusammenhang dürfen sich nicht zuletzt die Unterstützer des neuen Stromberg-Films freuen – auch sie werden am Umsatz beteiligt.
Stefan Lamprecht, Bankexperte bei Steria Mummert Consulting, äußerte erst vor kurzem, dass Crowdfunding und -investing in Deutschlang zwar noch in den Kinderschuhen steckten, die P2P-Plattformen von den Banken aber heute schon zu den fünf wichtigsten branchenfremden Wettbewerbern gezählt würden.
Ist das also die Zukunft? Kredite, die von Privatpersonen an Privatpersonen unter Ausschluss einer Bank weitergegeben werden? Bedeutsam ist diese Entwicklung in jedem Fall. Es revolutioniert ein System, in welchem neue Ideen zu ihrer Verwirklichung, welcher Art sie auch sein mögen, bisher auf traditionelle Geldgeber angewiesen waren. Mit der Unterstützung einer genügend großen Minderheit hat sich das Machtverhältnis nun verändert – jetzt bestimmt der Schwarm, welche Projekte eine Investition wert sind.
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