deSIGN12 – Design Everything!

Wenn eine Person mit ein paar Tweets die Online-Szene in Aufregung versetzt, dann geht es meist um Skandale und nicht um eine gute Idee. Kanye West, Rapper und Produzent aus Chicago, präsentierte auf seinem Microblog-Account vor einiger Zeit jedoch in einem Gedankenspiel seine (nicht ganz so neue) Vorstellung einer idealen Firma: Spitzenkräfte aller Disziplinen sollten unter einem Dach versammelt werden und sich – ohne sich um so „banale“ Dinge wie Budget oder die tatsächliche Durchführbarkeit des finalen Projekts Gedanken machen zu müssen – so gut wie alles einfallen lassen.

Zugrunde liegt der Idee die Ansicht, dass sich die Probleme der Welt mit Design lösen lassen. So ließen sich auch bei etablierten Medien, Arbeitsweisen und gar Gesellschaftsstrukturen ganze Paradigmenwechsel einläuten, wenn nur die alles verändernde Idee gefunden würde. Dass nun Wests Vorstoß in ALLE Kreativ-Bereiche die Fantasie einiger Personen beflügeln würde, war eigentlich klar. So berichteten auch zahlreiche Medien vom ersten Fake-Projekt von DONDA, der Kreativ-Firma von West: Die Personen-Suchmaschine WhoDat wurde aber so gar nicht den Ansprüchen und den großen Erwartungen an Wests noch größeren Worten gerecht. Trittbrettfahrer bei einer Firmengründung – wann haben wir das zuletzt erlebt?

Möglicherweise gehen mit dem Begriff „Design“ tatsächlich andere Bedeutungsinhalte einher als mit „Entwicklung“ oder „Ausarbeitung“. Eine andere große Person kann den kleinen Unterschied vielleicht besser verdeutlichen: Steve Jobs „entwickelte“ das iPhone nicht einfach, er „gestaltete“ die Art, wie wir kommunizieren und mit dem Internet umgehen, vollkommen neu. Deswegen hatte er so eine große Anhängerschaft und deswegen war auch die Bestürzung so groß, als er verstarb. Die Trauernden fragten sich, ob auch noch andere Menschen in der Lage sein würden, einen derart lebensverändernden Wandel anzustoßen.

Wenn man so will, versucht West genau dies zu erreichen. Gefragt wird ganz allumfassend nach den ganz großen Zusammenhängen, wie etwa nach den grundsätzlichen Bedürfnissen der Menschen (im Fall Jobs: Kommunikation), nach den derzeit vorherrschenden Gegebenheiten (Trennung von Voice- und Datenübertragung, On- und Offline, Privatem und Beruflichem) und letztlich, wie sich diese Probleme bereinigen lassen (mit einem einfach zu bedienenden Telefon, das auch die Nutzung des Internets und Online-Applikationen auf wenigen Zoll Bildschirm noch natürlich erscheinen lässt). Das iPhone ist nicht nur Telefon, es ist zudem auch eine Plattform für App-Entwickler auf der ganzen Welt.

Manch ein Leser wird sich denken, dass diese Fragen schon jetzt auf diese Weise gestellt werden, wenn man Probleme lösen möchte. Aber wieso schafft es West dann, auf dem Filmfestival in Cannes eine neue Art, Filme zu erleben, vorzustellen? Auf sieben Leinwänden laufen zusammengehörende Szenen, der Zuschauer ist sein eigener Regisseur und stellt sich sein individuelles Filmerlebnis im Moment selbst zusammen. Möglicherweise ist genau das die passende Antwort auf die verkürzte Aufmerksamkeitsspanne durch Videoclips und YouTube.

Lassen sich diese Ideen auch bei PR-Strategien anwenden? Zugegeben, wie die Unterschiede zwischen der „Entwicklung“ und dem „Design“ einer PR-Kampagne aussehen könnten, muss wahrscheinlich noch ergründet werden, aber interessant ist das Gedankenspiel doch – wie wäre es, wenn man bei der nächsten interne Teambesprechung einfach mal fragt: Was würde Steve Jobs tun?

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