Fußball gibt es auch neben dem Platz – Willkommen in der Online-Welt

Das Champions-League-Finale ist allen noch in Erinnerung, das nächste Fußball-Großereignis wirft schon seine Schatten voraus. Wir wollen die Zeit bis zur Europameisterschaft mit einem Blick auf die Online-Welt der Fußballvereine füllen. Dafür schauen wir uns die deutsche Fußball-Bundesliga an und werfen einen Blick auf die Nationalmannschaft. Mit welchen Besonderheiten die Vereine umgehen müssen und welche Fehler sie in der Vergangenheit gemacht haben – wir wollen sie beleuchten.

Social Media wird auch in der Welt des Fußballs immer wichtiger. (Quelle: Gisela Peter / Pixelio.de))

Social Media wird auch in der Welt des Fußballs immer wichtiger. (Quelle: Gisela Peter / Pixelio.de)

Die Vereine bedienen über ihre Social-Media-Kanäle die Neugier der Fans. Im Sport haben die Athleten von Zeit zu Zeit mit Wehwehchen zu kämpfen. Soll ein Fan die Nachricht über die Verletzung seines Lieblingsspielers liken? Wohl kaum. Eine pfiffige Idee hat sich der 1.FC Köln einfallen lassen. Unter schlechten Nachrichten erklären sie, was ein Like bedeutet. Selbst die Meldung des kürzlich erfolgten Abstiegs erhielt so mehr als Zehntausend Likes, da zum Zusammenhalt in dieser „schweren Stunde“ aufgerufen wurde („Gefällt mir = Un mer jonn met dir, wenn et sin muss durch et Füer, Halde immer nur zo dir FC Kölle!“). Die Fans können den Like-Button klicken und fühlen sich durch den authentischen Hinweis noch stärker eingebunden. Hier ist man für die Fan-Mentalität sensibilisiert und greift deren Sprache auf. Allerdings sollte man sich als Unternehmen gut überlegen, ob man ähnlich verfahren möchte. Schnell ist der Ruf erworben, sich nur Likes abholen zu wollen.

Dass auch die Fan-Seele nicht viel von PR-Aktionen hält, die nichts als heiße Luft erzeugen, musste der FC Bayern München im Januar dieses Jahres mit seiner Aktion  „The new FCB Star“ feststellen. Die Fans wurden auf die Facebook-Seite des Vereins gelockt, um sich dort die Pressekonferenz anzuschauen, auf der ein neuer Transfer-Coup vorgestellt werden sollte. Im Vorfeld wurde die Aktion mit eindeutigen Aussagen von Präsident Uli Hoeneß unterfüttert, so dass der treue Fan sich über eine Neuverpflichtung berechtigte Hoffnungen machte. Statt eines Neuzugangs wurde jedem Facebook-Zuschauer allerdings sein eigenes Profilbild eingeblendet. Die Idee dahinter: Ihr seid unser 12. Mann! Was sich PR-Strategen als symbolträchtiges Dankeschön an die eigene Fankultur ausgedacht hatten, floppte. In kurzer Zeit gingen über 1.400 abfällige Kommentare auf der Facebook-Seite ein. Der Verein musste sich schließlich bei seinen Fans für die Irreführung entschuldigen. Die Aktion bescherte allerdings auch 269.608 neue Fans – innerhalb weniger Stunden vor der Pressekonferenz.

Seit Januar ist die Facebook-Fangemeinde von Bayern München übrigens von 2,7 Millionen auf gute 4 Millionen gestiegen, was sicher auch mit dem Champions-League-Finaleinzug zusammenhängt. Fans möchten von ihren Vereinen authentisch und ohne Geschnörkel von PR-Kreativen, die sich in der Fan-Szene nicht auskennen, informiert werden. Dieses Prinzip gilt nicht nur für Fußballfans: Unternehmen sollten ihre Fans, Follower und Friends stets in der ihr bekannten Sprache adressieren und auch ihre Reaktionen vorhersehen können. Einfühlungsvermögen ist unerlässlich.

Die deutsche Nationalmannschaft macht gerade mit einer Fan-Aktion von sich reden, die seit einigen Tagen läuft. Die Facebook-Seite hat gegenwärtig rund 1,36 Millionen Fans. Diese Zahl dürfte in den nächsten Wochen rapide ansteigen, da in Deutschland die Fußballseiten erst seit ein, zwei Jahren an Akzeptanz gewinnen und der Fokus der Fans während der Saison auf Vereinsmannschaften liegt. Bei der WM 2010 hatten viele Fans mit ihren Freunden oder Arbeitskollegen interne Tippspiele veranstaltet. Diesmal ist dies auch auf der Fan-Seite möglich. Freunde kann man hier bequem zum Mitmachen einladen. Diese Seite erfüllt mit „DFB TV“ und vielen anderen Zusätzen den Wunsch der Fans, der Mannschaft möglichst nah dabei zu sein. Einzig die Fotoalben könnten derzeit noch ausgebaut werden.

Wer bei der EM so richtig mit fiebern möchte, ist bei dieser Fanpage gut aufgehoben. Hoffen wir, dass die Community sich am Ende nicht so trösten muss wie  die Fans beim FC Bayern München. Aber vielleicht tut es selbst dann nicht mehr ganz so weh, wenn man sich gegenseitig trösten kann.

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