Das bisher starre Konzept unserer Arbeitszeit, die Anwesenheit im Büro und am Arbeitsplatz, passt für viele heute weder zu den modernen Familienstrukturen noch zu den gestiegenen Anforderungen des Arbeitsmarktes. Durch die Globalisierung rückt die internationale Zusammenarbeit immer weiter in den Vordergrund. Dies führt aber nicht selten dazu, dass Termine in der Freizeit wahrgenommen werden müssen, bedenkt man beispielsweise die Zeitverschiebung zwischen Mitteleuropa und der Westküste der USA. Damit lösen sich Grenzen zwischen freier Zeit und Arbeitszeit immer weiter auf. Viele Unternehmen versuchen daher, neue Wege zu gehen und die Arbeitsstrukturen durch flexiblere Organisationskonzepte aufzubrechen.
Konzepte wie Home-Office, Teleworking und Workshifting werden bei vielen Unternehmen und Angestellten immer beliebter. Nach einer repräsentativen Umfrage des Verband BITKOM sind bereits 10 Prozent der Berufstätigen in Deutschland im Home-Office tätig. Weitere 58 Prozent der Berufstätigen wünschen sich flexiblere Arbeitsbedingungen. Durch schnelle Internetverbindungen, mobile Computer und Smartphones sowie moderne Chat-, Telefon- und Videokonferenzsysteme wird die mobile Arbeitsform immer einfacher und kostengünstiger möglich. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Job und Privatleben, eine zufriedenstellende Work-Life-Balance, wäre so realisierbar.
Vielfach steckt das Konzept der Work-Life-Balance aber noch in den Kinderschuhen. Nach einer Studie des Marktforschungsinstituts Ipsos, die in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Citrix Online entstanden ist, sehen 68 Prozent der Befragten ihre Work-Life-Balance noch als verbesserungswürdig. Dabei würde eine Optimierung des Verhältnisses zwischen Arbeit und Freizeit auch Unternehmen erheblichen Nutzen bringen. Die Verbesserung der Work-Life-Balance sowie eine familienfreundliche Unternehmenspolitik verschaffen den Unternehmen Vorteile bei der Anwerbung und Motivation der Mitarbeiter, zudem können qualifizierte Kräfte langfristig an das Unternehmen gebunden werden.
Nicht zuletzt fördert eine ausgewogene Balance zwischen Berufsalltag und Freizeit auch die Gesundheit. Stress kann verringert werden, da Angestellte sich die Arbeit nach ihrem persönlichen Lebensrhythmus einteilen können und ihre produktivsten Tageszeiten am besten ausnutzen können. Damit kann dem sogenannten Burnout entgegengewirkt werden.
Neben all diesen Vorteilen sollte man aber auch die kritischen Stimmen nicht überhören. Psychologen haben bei Untersuchungen von Stress und Burnout in Unternehmen ohne feste Arbeitsplätze herausgefunden, dass gerade Leute, die alleine leben und von zu Hause arbeiten, häufig mehr als 14 Stunden für ihren Arbeitgeber tätig sind. Einige haben sogar die Körperhygiene eingestellt, sind nicht mehr zum Einkaufen gegangen und haben den Kontakt zu Freunden aufgegeben. Besonders Menschen, denen es schwer fällt, soziale Kontakte aufzubauen, vereinsamen ohne Kollegen am Arbeitsplatz noch häufiger. Auch die deutsche Arbeits- und Sozialministerin hat sich des Themas angenommen und möchte klare Regeln für die mobile Erreichbarkeit von Mitarbeitern durchsetzen. Gleichzeitig macht von der Leyen deutlich, dass die neue Technik kein Problem für die Gesundheit darstelle, sondern “nur” ein vernünftiger Umgang mit ihr erlernt werden müsse.
Was für die Einen also ein Mehrwert an Lebensqualität bringt, kann für die Anderen zusätzlichen Stress und Probleme bedeutet. Unternehmen müssen sich also zukünftig noch individueller auf ihre Angestellten einstellen.
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